Fahrzeuge
Dampflokomotive
01 1104
01 1104 ist die technische Krönung von vier Jahrzehnten Entwicklung aus der legendären Baureihe 01 und ihrer klassischen Achsfolge „Pazifik“, für mehr Laufruhe und höhere Leistung mit zusätzlichem mittleren Triebwerk für die 2-Meter-Treibräder, Rollenlager an den Stangen und einem Hochleistungskessel, der von zwei Öl-Brennern befeuert wird. Die Fans wissen: nur sie klingt so, wie ein V8-Mustang, wie ein Düsenjäger... eine Klasse für sich!
Mittelpunkt der Aktivitäten unseres Vereins ist 01 1104 (012 104-6), die letztgebaute unter den erhaltenen DB - Schnellzug-Dampfloks der Baureihe 01.10. 1940 in Dienst gestellt und ab 1954 modernisiert, war nur die Baureihe 01.10 in der Lage, schwerste Schnellzüge mit bis zu 140 km/h zu befördern. 1975 rettete ein englischer Arzt 01 1104 vor der Verschrottung und präsentierte sie als Star auf der Insel. 2008 begann die Restaurierung durch die Gründungsmitglieder des Vereins, der 2010 gegründet wurde. Die Aufarbeitung dauerte am Ende ganze 15 Jahre. 2023 bewegte sich 01 1104 zum ersten Mal unter Dampf und soll seit dem Jung und Alt für Technik begeistern. 01 1104, einzige originale 01.10 unter Dampf!
Technische Daten
- Bauart: 2'C1' h3
- Baujahr: 1940 (bei BMAG, Berliner Maschinenbau AG, vormals L. Schwartzkopff in Berlin-Wildau
- Umbau zur Hochleistungslok mit Neubaukessel: 1954
- Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h
- Leistung: ca. 2.470 PS
- Dienstmasse: 177 t
- Tender: 2'3 T38
- Feuerung: Ölhauptfeuerung (seit 1957)
Begleitwagen
Büe 371 "polnischer Hecht"
Bei dem unter der NVR-Nummer 51 80 2011 104-4 D-FDEV registrierten Wagen handelt sich um einen in Ganzstahlbauweise hergestellten ehemaligen Reisezugwagen polnischer Herkunft. Die Form des Wagens erinnert stark an deutsche Reisezugwagen der 1920er Jahre, welche aufgrund des sich zu den Fahrzeugenden hin verjüngenden Wagenkastens als „Hechtwagen“ bezeichnet wurden. Im Unterschied zu den deutschen „Hechtwagen“, bei denen die Dächer über den Einstiegen an den Fahrzeugenden hin nach oben gezogen worden waren, verlief die Dachkante der polnischen Wagen über die gesamte Länge des Wagenkastens auf gleicher Höhe. Wagen der polnischen Bauform, von denen nach dem 2. Weltkrieg zahlreiche Exemplare bei den deutschen Staatsbahnen verblieben, u. a. das hier beschriebene Fahrzeug, wurden zur Unterscheidung von Wagen der deutschen Bauform inoffiziell als „polnische Hechtwagen“ bezeichnet.
Der Wagen wurde 1929 in der Maschinenfabrik Lilpop Rau i Loewenstein in Warszawa (Warschau) als Sitzwagen 3. Klasse gebaut und bei der Polskie Kolej Państowe (PKP) mit der Nummer 13922 und der Gattungsbezeichnung Chrx in Dienst gestellt.
1939 gelangte der Wagen vorübergehend in sowjetischen Besitz, bevor er ca. 1941/42 der deutschen Besatzungsmacht in die Hände fiel. Fortan wurde er im „Generalgouvernement“ durch die Deutsche Reichsbahn (DRB) als C4ü-30 eingesetzt, behielt dort aber seine ursprüngliche PKP-Nummer 13922.
Nach Kriegsende befand sich der Wagen in Westdeutschland. Verhandlungen über die Rückgabe erbeuteter polnischer Waggons an die PKP scheiterten und der 13922 wurde 1953 bei der Waggonfabrik Fuchs in Heidelberg zu einem Sitzwagen 2. Klasse mit zehn geschlossenen Abteilen umgebaut und modernisiert. Bei der Deutschen Bundesbahn (DB) wurde er anschließend als B4üwe-30/50 mit der Nummer 250 471II (Drittbesetzung nach zwei im Krieg verloren gegangenen Wagen) eingesetzt. Nach UIC-gerechter Umzeichnung zu 51 80 2011 104-4 und Änderung der Gattungsbezeichnung zu Büe371 war das Fahrzeug schließlich bis zu seiner Ausmusterung im Dezember 1972 im Einsatz.
Nach der Ausmusterung wurde der Wagen (im Ausbesserungswerk Limburg) zum Bahndienstwagen umgebaut und bis Mitte/Ende der 1990er Jahre von der DB bzw. DB AG als Wohn-Schlafwagen421 mit der Nummer 60 80 9911 099-1 im Bauzugdienst verwendet.
Unser Begleitwagen ist der einzige betriebsfähige Hecht bzw. polnische Hechtwagen in Deutschland, weshalb wir besonders stolz darauf sind, diesen so stilecht und passend mit unserer 01 1104 zusammen präsentieren zu können!
Technische Daten
- Bauart: Büe 371
- Baujahr: 1929
- Länge über Puffer: 22 m
- Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
- Dienstmasse: 41 t
- Bremsbauaurt: Klotzbremse, Bauart Westinghouse (W, einlösig)
Werkstattwagen
Gbs-uv 254
Bei dem unter der NVR-Nummer 47 80 1529 003-2 D-FDEV registrierten Fahrzeug handelt es sich um einen gedeckten Güterwagen der Deutschen Bundesbahn (DB) mit Stahl-Tonnendach und durchgehenden Leitungen für die Dampf- und elektrische Heizung.
Ab 1961 beschaffte die DB eine große Anzahl zweiachsiger gedeckter Güterwagen mit Tonnendach und einer Ladelänge von 12,7 m, die den genormten UIC-Abmessungen entsprachen. Die Wagen wurden zunächst unter der Gattungsbezeichnung Glmms 61, später als Gbs 254 geführt und gehörten dem westeuropäischen Güterwagenpool (RIV-EUROP) an. Bremstechnisch waren die Wagen für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h ausgelegt, lauftechnisch für 120 km/h (zwei Sterne neben dem internationalen Lastgrenzenraster).
Zur Beförderung von Stückgütern im Reisezugverkehr wurden rund 940 dieser Wagen mit Durchgangsleitungen für die Dampf- sowie elektrische Heizung (bis 1.500 V) ausgerüstet. Diese Sonderausstattung schlug sich in den Gattungsbezeichnungen Glmmehs 61 (bis 1965), Gbrs-v 254 (bis 1980) bzw. zuletzt Gbs-uv 254 nieder. Die betreffenden Wagen erhielten ein für den Binnenverkehr der DB gültiges Zusatzraster zum internationalen Lastgrenzenraster mit reduzierter Zuladung für 120 km/h angeschrieben. Die letzten Gbs254 wurden bei der DB AG zu Beginn der 2000er Jahre ausgemustert. Einige der Wagen erfuhren danach noch eine Nachnutzung z. B. als stationäre Materiallager an verschiedenen Standorten.
Das hier behandelte Fahrzeug wurde 1963 beim Hersteller „Deutsche Industrie-Werke AG“ in Berlin-Spandau mit der Fabriknummer 27/847 gebaut und im selben Jahr von der DB als 194 511 in Dienst gestellt. Mit Einführung des UIC-Nummernsystems wurde der Wagen in 155 9 211 umgezeichnet, später in 153 0 003 und schließlich in 152 9 003. Seine Gattungsbezeichnung lautete zuletzt Gbs-uv 254. Am Ende seiner Einsatzzeit wurde das Fahrzeug als „Beiwagen zum Einheitsgerätehilfszug“ verwendet und schließlich im nordbayerischen Hof abgestellt.
2015 konnte der Verein Faszination Dampf e. V. (FD) den Wagen von der DB AG erwerben. Aufgrund seiner Ausrüstung mit Durchgangsleitungen für die Dampf- und elektrische Heizung ist das Fahrzeug für den Einsatz als Materialwagen für den vorgesehenen Einsatzzweck, die logistische Unterstützung von Nostalgiefahrten mit Dampflokomotiven besonders gut geeignet.
Unser Gbs-uv 254 passt daher historisch und technisch perfekt zu uns. Diese Wagen waren früher alltäglich auch hinter 01.10 in Schnellzügen eingesetzt und heute beherbergt der Wagen für uns essenzielle Ersatzteile, Werkstattausrüstungen und Betriebsstoffe.
Technische Daten
- Bauart: Gbs-uv 254
- Baujahr: 1963
- Länge über Puffer: 14 m
- Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
- Leermasse: 13 t
- Zuladung (bei 120 km/h): 22,5 t
Köf II 6525